Der (Miss-)Erfolg von Schwanensee — Petipa/Iwanow vs. Reisinger

Aus Schneider/Kieser 2006: Reclams Ballett Führer:

“Die Popularität von Schwanensee geht allerdings nicht auf Wenzel Reisinger Produktion [Uraufführung: 4. März 1877, Bolshoi-Theater, Moskau] zurück, sondern auf die Inszenierung, die Marius Petipa und Lew Iwanow knapp 20 Jahre später in Sankt Petersburg herausbrachten. Denn diese begründete die bis heute andauernde Aufführungstradition, die insbesondere die so genannten weissen Akte (der II. und IV. Akt) als Juwele klassischer Ballettkultur weitgehend original konservierte. Reisinger hingegen hatte eine nach den Massstäben der Zeit durchschnittlich erfolgreiche Choregorafie geschaffen, die sich, mit kleineren Veränderungen, bis 1883 im Repertoire des Bolshoi-Theaters hielt (1880 und 1882 stellte Reisingers Nachfolger Joseph Hansen überarbeietete Fassungen vor).” (S.415)

“Seit der Produktion von Petipa und Iwanow gehört Schwanensee zum festen Bestandteil des Repertoires; im Lauf des 20. Jahrhunderts prägte sich die Tendenz zu einer psychologisierten Handlung aus. II. und IV. Akt (Zählung gemäss der Uraufführung) werden dabei häufig in einer auf Iwanow basierenden Fassung aufgeführt, während I. und III. Akt in unterschiedlichem Umfang neu choreografiert werden. Bei jeder Neuchoreografie stellt sich zudem die Frage, welchen Ausgang die Geschichte nehmen soll: wie bei Reisinger, wie bei Petipa und Iwanow, oder ein Happy-End?” (S.417)

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